Verständlicher schreiben – Amtsdeutsch ist vermeidbar

Behördentexte im Amtsdeutsch sind in vielen Fällen bürgerfern und schwer lesbar. Leider gilt dies auch für Pressetexte von Behörden. Dies erschwert die Kommunikation mit dem Bürger.

Amtsdeutsch

Amtsdeutsch – Relikt aus verstaubten Amtsstuben … manchnmal als Machtinstrument missbraucht (Foto: Free-Photos / Pixabay) MonikaP / Pixabay)

Oder der Bürger fühlt sich so, als wenn er “dumm gehalten“ werden soll. Nicht wenige Bürger fühlen sich nur vom Staatsapparat und seinen Behörden “verwaltet“ oder gegängelt.

Nicht Bittsteller sondern Partner oder Kunde

Bürger möchten ernstgenommen werden. Daher sollten Behörden Klartext reden und die Kommunikation so einfach wie möglich gestalten. Sprache sollte nicht als Machtmittel missbraucht werden. Dann ist den Beamten und anderen Staatsdienern der Respekt der Bürger sicher.

Amtsdeutsch entschlacken

Seit längerem bemühen sich Sprachwissenschaftler das Amtsdeutsch zu entschlacken und ins Normaldeutsch zu übersetzen. So setzt sich auch die Gesellschaft für verständliche Sprache (IDEMA) der Ruhr-Universität Bochum für klare und verständliche Ausdrucksweise ein.

Unklares kostet Bares

Unleserliche und unverständliche Behördentexte hinterlassen beim Leser nicht nur einen schlechten Eindruck. Nein, Ärger und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Unnötige Nachfragen lassen sich vermeiden. Und zu allem Ärger gesellen sich noch horrende Mehrkosten für den Steuerzahler. Die Missverständnisse sind teuer und kosten unser Geld. Geld, was Vater Staat lieber woanders ausgeben sollte.

Amtsdeutsch mit Textanalyse-Tool untersuchen

Nicht wenige Leser haben Probleme mit diesen Texten. Auf Wunsch einiger treuer Leser kommentieren wir eine solche “Pressemitteilung“ nachfolgend.

Amtsdeutsch

Warum muss die Kommunikation mit dem Bürger so unverständlich gestaltet werden?

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Amtsdeutsch oder Behördendeutsch in einer Bleiwüste

Mit 314 Wörtern gehört der Pressetext in die Kategorie “Gewünschte Suchmaschinen-Artikel“. Google & Co. lesen gerne Texte, die mindestens 300 Wörter umfassen. Der Autor tut gut daran, dem Beitrag mindestens ein Foto zu spendieren. Damit die Bleiwüste abgemildert wird.

Große Ähnlichkeit mit dem Amtsdeutsch hat auch das “Kanzleideutsch“ von Rechtsanwälten und Notaren. Diese Berufsgruppe ist für ihre vorsichtigen Formulierungen bekannt. Die Texte sind stark verklausuliert.

An Absätze denken

Denken Sie an Absätze, die den Text gliedern. Die Absätze bündeln die zugrunde liegenden Ideen. Ein Absatz enthält eine Idee. Die Verständlichkeit lässt sich steigern, indem sie dem Absatz noch eine “Unterüberschrift“ geben. Oder im Neudeutsch auch Sub-Headline genannt. Dies gestattet dem Leser mit wenig Zeit, die Inhalte zu überfliegen (scannen).

Nominalstil

Dieser Pressetext enthält sehr viele Substantivierungen (16 Wörter mit -ung, -keit, -heit). Hierdurch wirkt der Text sehr steif und nicht lebendig.

Beispiel

  • Erste Schritte in Richtung „bezahlbarer Wohnraum“ sind in der Umsetzung

Verben hingegen machen einen Text lebendiger: bezahlbarer Wohnraum soll umgesetzt werden

Passiv-Konstruktionen

Passiv-Sätze wirken unpersönlich. Oft ist nicht klar, wer gehandelt hat oder wer handeln soll. Auf diese Weise übernimmt der Autor keine Verantwortung für seine Aussage:

Beispiel

  • „Durch dieses Verfahren soll ein geeigneter Investor gefunden werden

Der Leser fragt sich von „wer sucht?“. Besser ist, Passivkonstruktionen durch aktive Formulierungen zu ersetzen: „Der Landkreis sucht … “

Zu lange Wörter

Wortmonster gehen nicht in den Langzeitspeicher und kommen in der Umgangssprache selten vor.

Beispiel

  • Wohnraumversorgungskonzept

Solche Wörter werden gerne missverstanden. Besser ist es, solche Wörter durch Trennzeichen aufzuspalten. Beispielsweise Wohnraumversorgungs-Konzept

Zu lange Sätze

Vermeiden Sie Schachtelsätze und verwenden Sie einen kurzen, eindeutigen Satzaufbau. Bei zu langen Sätzen weiss der Leser am Ende sonst nicht mehr, was am Anfang des Satzes gestanden ist. Bei Sätzen mit mehr als 20 Wörtern sinkt die Verständlichkeit drastisch ab. Früher waren Gesetzestexte besonders grausam. Teilweise wiesen sie bis zu 90 Wörter pro Satz auf.

Beispiel

  • Die Flächen sollen außerdem an das bestehende Nahwärmenetz angeschlossen werden, um „einen Beitrag der Stadt Lich zu den Klimaschutzzielen zu gewährleisten“, wie es im Vertragsentwurf heißt.

Der Hauptsatz sollte die Klimaschutz-Ziele enthalten. Der Nebensatz “Anschluß ans Nahwärme-Netz“ kann als eigenständiger Satz formuliert werden. Das Textfragment “wie es im Vertragsentwurf heißt“ kann gänzlich entfallen, da es keinen eigenen Nachrichtenwert aufweist. Wie der Begriff “Vertragsentwurf“ schon selbst aussagt, ist ein Entwurf nicht endgültig.

Fachbegriffe und Fremdwörter

Fachbegriffe und Fremdwörter sind nur kritisch zu verwenden. Vorausgesetzt, sie werden von den Angesprochenen verstanden. Sind sie nicht zu vermeiden, müssen sie erläutert werden. Beispielsweise “Strukturförderungsgesellschaft“ ist ein sogenanntes Bandwurmwort, welches zu viele Silben enthält. Schwer zu erfassen.

Beispiel

  • barrierearmer Wohnraum
  • Bedarfe im Wohnraumversorgungskonzept

Denken Sie daran für Fachbegriffe ein Glossar anzulegen und an zentraler Stelle im Internet (auf eigener Website) abzuspeichern.

Amtsdeutsch

Erläutern Sie bitte die Barrierearmut mit Treppen im Wohnraum und erhöhen Sie so die Verständlichkeit von Inhalten (Foto: PIRO4D / Pixabay)

Modalverben

Modalverben sind dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen. Im Gegensatz zu Vollverben sind sie vermeidbar.

 

Angst um die Rechtssicherheit von Texten

Es ist ein langer Weg zu bürgerfreundlichen Texten. Behördentexte müssen systematisch überarbeitet werden. Dies würde die Behörden viel Zeit und Geld kosten. Wieso? Die Texte müssen auf ihre rechtliche Verbindlichkeit geprüft werden. Um nicht zum Futter für schlaue Bürger und ihre Rechtsanwälte zu werden.

Deutlich wird dies besonders bei Bescheiden, die von den Behörden ausgegeben werden. Damit der Bürger sie verstehen können, bedarf es einer bürgerorientierten “leichten Sprache“. Ein Hindernis hierbei ist der hohe Aufwand für sprachliche Anpassungen. Und davon schrecken Behörden zurück. Lieber kopieren sie rechtssichere alte Vorlagen.

Gute Sprache will trainiert werden

Besonders Pressetexte der Behörden benötigen kontinuierliches Training der verantwortlichen Pressereferenten und -Sprecher. Sie sind gehalten, sich in die Perspektive des Bürgers hinein zu denken. Wichtig ist es, das spontane Lesen der Pressetexte zu fördern.

Pressetexte sollten sich an der mündlichen Rede orientieren. Also an persönlichen Gesprächen. Etwa in Form von Interviews.

Sichtweisen, die Ämter für selbstverständlich halten, sollten dem Bürger erläutert werden.

Weiterführende Links

Handbuch Bürgerkommunikation: Moderne Schreib- und Kommunikationskultur in der Dienstleistungsverwaltung


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